Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen Zum Seitenende springen

Geschichte der ehemaligen Grundschule Hohefeld

Die ehemalige Grundschule Hohefeld blickt auf eine bewegte Geschichte von über 100 Jahren zurück. Was als einklassige Volksschule mit Lehrerwohnung begann, entwickelte sich mit den Jahrzehnten weiter: mehr Schüler, ein zweiter Klassenraum, Modernisierungen – und immer wieder der Einsatz der Menschen vor Ort, die „ihre“ Schule erhalten wollten. Diese Seite erzählt die wichtigsten Stationen von der Planung 1910 über Kriegsschäden und Neubeginn bis zum letzten Schultag.

Die Entstehung der Volksschule Hohefeld (1910–1911)

1910 stieß die Altenoyther Schule an seine Kapazitätsgrenzen: Bis zu 200 Kinder mussten in lediglich zwei Klassenräumen unterrichtet werden. Deshalb beantragte das Oberkollegium den Bau einer neuen Schule in Hohefeld.

Die Bauerschaft Hohefeld wurde als Standort gewählt, da sie den Mittelpunkt des neu gegründeten Schulbezirks bildete. Zum Bezirk gehörten Hohefeld, Wolfstange, Cavens, Pirgo und Teile der Kämpe. Die Gemeinde erwarb das Grundstück vom Landwirt Johann Meyer aus Altenoythe, und am 6. Juli 1910 wurde die Bauvergabe offiziell beschlossen.

Viele Kinder, insbesondere aus Pirgo, hatten zuvor lange Schulwege über aufgeweichte Wege zu Fuß zurückzulegen. In den dunklen Wintermonaten führten ältere Kinder oft den Weg mit einer Petroleumlampe an.

Die Kosten für die einklassige Schule mit Lehrerwohnung, separatem Toilettengebäude und Schuleinrichtung beliefen sich einschließlich des Grundstücks auf 20.000 Reichsmark. Der Staat gewährte einen Zuschuss von 1.400 Reichsmark.

Schulbeginn und erste Lehrjahre (ab 1911)

Am 7. Mai 1911 begann der Unterricht unter Leitung von Lehrer Mousset (*19.12.1882 in Vechta, +14.10.1968) mit 60 Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgängen 1897 bis 1905. Alle Schüler wurden in einem einzigen Klassenraum unterrichtet.

Während des Ersten Weltkrieges wurde Lehrer Mousset zum Militärdienst eingezogen. In dieser Zeit übernahmen Lehrer Kallage (später nach Steinfeld), Fräulein Hilferich (später Oldenburg), Fräulein Ostendorf (später Frau Rohe, Steinfeld) und Hauptlehrer Broermann aus Altenoythe zeitweise den Unterricht.

Im Herbst 1924 wurde Mousset zum Hauptlehrer der Schule in Friesoythe ernannt. Sein Nachfolger wurde Joseph Böckmann (*24.01.1899 in Ehrendorf, Gemeinde Lohne).

Technische Neuerungen und Herausforderungen (1924–1930)

1924 wurde die Schule an das neu geschaffene Elektrizitätsnetz angeschlossen, ein bedeutender Fortschritt für den Unterricht.

1926 kam Lehrer Meyer nach Altenoythe und stellte eine massive Raumnot fest. Er sprach sich für eine Zusammenlegung der Schulen Altenoythe und Hohefeld aus. Lehrer Böckmann lehnte dies entschieden ab und erreichte beim Oberschulrat Dr. Anton Kohnen, dass zur Entlastung der Altenoyther Schule die Kinder aus Cavens und der Kämpe künftig in Hohefeld unterrichtet wurden.

Bau des zweiten Klassenraums (1931–1935)

Anfang der 1930er Jahre stieg die Schülerzahl in Hohefeld auf 74 (1931) und 82 (1932). Zunächst fehlten jedoch die finanziellen Mittel für einen Erweiterungsbau. Gemeinde, Staat und örtliche Vertreter lehnten den Bau ab.

Nach der Gemeinderatswahl, bei der sechs von neun Ratsmitgliedern aus Hohefeld stammten, wurde der Bau eines zweiten Klassenraums einstimmig beschlossen. 1935 begannen die Baumaßnahmen, die 11.014 Reichsmark kosteten, davon 30 % Zuschuss.

Zu Ostern 1935 konnte der neue Klassenraum bezogen werden. Außerdem wurden ein Lehrmittelzimmer eingerichtet und im Neubau eine Wohnung für den zweiten Lehrer geschaffen (Miete 12 Reichsmark pro Monat).

Kriegsschäden und Wiederaufbau (1939–1954)

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begann für die Schule Hohefeld eine schwierige Zeit. Lehrer Josef Holling wurde im April 1940 zum Militär eingezogen. Frau Gunda Frederichs (später Rohjans) unterrichtete während des Krieges fast 100 Schüler allein und erteilte zusätzlich Nachmittagsschulunterricht in Markhausen und Augustendorf. Holling kehrte im Dezember 1946 zurück.

1945 wurde die Schule beim Durchzug der Front stark beschädigt: Das Dach wurde durch einen Artillerietreffer zerstört, alle Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Wehrmacht richtete eine Kommandostelle ein, später nutzten kanadische Truppen das Gebäude als Lazarett. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen erfolgten provisorische Reparaturen. Durch eine Fett- und Specksammlung konnte neues Glas beschafft werden, und Lehrer sowie Schüler sammelten Torf im Vehnemoor als Heizmaterial.

1953 wurde das Gebäude umfassend renoviert und am 8. Januar 1954 durch Pfarrer Westerhoff neu eingesegnet.

Schulentwicklung und Modernisierung (1950er–1960er Jahre)

Nach dem Weggang von Josef Holling 1951 übernahm Alfons gr. Holthaus die Schulleitung von 1953 bis 1969.

1964 wurde die Lehrerwohnung zu einem Klassenraum umgebaut, im Dachgeschoss entstanden ein Kunst- und Werkraum sowie eine neue Lehrerwohnung. Zudem wurden eine Zentralheizung und eine Toilettenanlage innerhalb des Gebäudes installiert.

Bis 1962 wurden Kinder bis zum 8. Schuljahr unterrichtet. Ab 1966/67 wechselten die 7. und 8. Klasse nach Altenoythe, ab 1969/70 auch die 5. und 6. Klasse. Seit 1969 war die Schule eine reine Grundschule mit vier Jahrgangsklassen.

Kleine Schule mit großem Engagement (1970er–2000er Jahre)

Nach dem Weggang von gr. Holthaus übernahm Hermann-Josef Middelbeck die Schulleitung (1960–1979). In den 1980er Jahren sank die Schülerzahl stark, zeitweise drohte eine Schließung. Dank des Engagements der Hohefelder Bevölkerung konnte die Schule erhalten werden.

Von 1977 bis 1980 leitete Hildegunde Birnstiel die Schule kommissarisch. 1980/81 übernahm Hildegard Moormann (später Naber), danach Ingrid Kreyenschmidt und ab 1993 Ursula Lück.

1990 wurde der Schulhof neu gestaltet, 1991 weitere Renovierungen durchgeführt. 2002 wurde die Schule verlässliche Grundschule mit Betreuung von 8:00 bis 13:00 Uhr. Aufgrund ihrer überschaubaren Größe war sie ein beliebter Ausbildungsort für Referendare und Studierende.

Die letzten Jahre und das Ende der Schule (2004–2020)

2004 drohte erneut die Schließung. Eltern kämpften erfolgreich für den Erhalt, ein Förderverein wurde gegründet.

2011 feierte die Schule ihr 100-jähriges Bestehen. Ursula Lück trat in den Ruhestand, kommissarische Leitung übernahm Udo Arends bis Juni 2017, danach Birgit Hanneken.

2019 drohte die sogenannte „Viertelzügigkeit“, bei der alle Kinder in einer Klasse unterrichtet worden wären. Nach Gesprächen mit der Stadt Friesoythe meldeten alle Eltern ihre Kinder für 2020/21 an der Gerbertschule in Altenoythe an. Damit endete die Geschichte der Grundschule Hohefeld endgültig.